Anlässlich des 130. Todesjahres von Anton Bruckner kommen im September und Oktober 2026 sämtliche elf Sinfonien des österreichischen Genies zur Aufführung. Sie erklingen in Orgelfassungen auf den romantisch-sinfonischen Orgeln der Kirchen St. Marien, St. Matthias und der Auenkirche in Berlin. Ein weiteres Konzert in der St.-Hedwigs-Kathedrale öffnet elf "Bruckner-Fenster" zeitgenössischer Komponisten.
Der Zyklus startet am 4. September – Bruckners Geburtstag anno 1824 – und endet am 11. Oktober 2026 – Bruckners Todestag exakt 130 Jahre zuvor. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Ein 68 Seiten umfassendes Programmheft steht hier zum Download zur Verfügung.
Freitag, 19:00 Uhr, St. Marien
Studiensinfonie f-Moll · Hansjörg Albrecht, Hamburg
Nullte Sinfonie d-Moll · Sarah Kim, Paris, Frankreich
In der Pause: Empfang
Schirmherr: Christian Thielemann
Samstag, 19:30 Uhr, Auenkirche
Sinfonie Nr. 3 d-Moll · Alessandro Urbano, Dudelange, Luxemburg
Sonntag, 18:00 Uhr, St. Marien
Sinfonie Nr. 6 A-Dur · Jean-Baptiste Monnot, Rouen, Frankreich
Samstag, 19:30 Uhr, St. Matthias
Sinfonie Nr. 4 Es-Dur · Bernadetta Šuňavská, Bratislava, Slowakei
Sonntag, 18:00 Uhr, Auenkirche
Sinfonie Nr. 9 d-Moll · Thilo Muster, Basel, Schweiz
Anschließend Empfang

Konzerte in St. Marien:
4.9.26 Freitag, 19:00 Uhr
Studiensinfonie f-Moll
Hansjörg Albrecht, Hamburg
Nullte Sinfonie d-Moll
Sarah Kim, Paris, Frankreich
In der Pause: Empfang
13.9.26 Sonntag, 18:00 Uhr
Sinfonie Nr. 2 c-Moll
Sarah Kim, Paris, Frankreich
4.10.26 Sonntag, 18:00 Uhr
Sinfonie Nr. 6 A-Dur
Jean-Baptiste Monnot, Rouen, Frankreich
Die Anton-Feith-sen.-Orgel
Die Orgel hat der Paderborner Orgelbauer Anton Feith im Jahr 1925 errichtet. Sie ist die größte substanziell erhaltene Orgel von Feith senior (1872–1929) überhaupt. Das weiche, grundtönige Klangideal vieler Register ist samt Pfeifenmaterial bis heute weitgehend bewahrt. Das Instrument verfügt über 54 klingende Register mit ca. 3.200 Pfeifen. Diese befinden sich in zwei großen Schwellwerken im Kirchturm; die beiden sichtbaren Orgelprospekte sind bis auf zwölf Pfeifen stumm.

Konzerte in St. Matthias:
5.9.26 Samstag, 19:30 Uhr
Sinfonie Nr. 7 E-Dur
Christian von Blohn, Sankt Ingbert
12.9.26 Samstag, 19:30 Uhr
Sinfonie Nr. 8 c-Moll
Hansjörg Albrecht, Hamburg
10.10.26 Samstag, 19:30 Uhr
Sinfonie Nr. 4 Es-Dur
Bernadetta Šuňavská, Bratislava, Slowakei
Die Seifert-Orgel
Die Firma Romanus Seifert & Sohn, Kevelaer, baute die Orgel 1958 und erweiterte sie 1974. Heute hat sie 77 klingende Register, acht Transmissionen und eine Extension. Gut sichtbar ist die Spanische Trompete. Die Orgel ist die größte in einer katholischen Kirche in Berlin.

Konzerte in der Auenkirche:
19.9.26 Samstag, 19:30 Uhr
Sinfonie Nr. 5 B-Dur
Mathias Lecomte, Namur, Belgien
27.9.26 Sonntag, 18:00 Uhr
Sinfonie Nr. 1 c-Moll
Andrea Pedrazzini, Locarno, Schweiz
3.10.26 Samstag, 19:30 Uhr
Sinfonie Nr. 3 d-Moll
Alessandro Urbano, Dudelange, Luxemburg
11.10.26 Sonntag, 18:00 Uhr
Sinfonie Nr. 9 d-Moll
Thilo Muster, Basel, Schweiz
anschließend Empfang
Die Auenorgel
Die große Orgel aus der Werkstatt Furtwängler & Hammer, Hannover, nahm zeitgleich mit der Auenkirche 1897 ihren Dienst auf. Nach zahlreichen Erweiterungen und Umbauten und einer denkmalgerechten Restaurierung 2022/23 umfasst sie heute 90 Register – nach dem Dom die zweitgrößte Kirchenorgel der Hauptstadt! Mit ihrem spätromantischen Klangbild gilt sie weit über Berlin hinaus als herausragendes Instrument.

Konzert in St. Hedwig:
23.9.26 Mittwoch, 19:30 Uhr
11 Bruckner-Fenster zeitgenössischer Komponisten
Hansjörg Albrecht, Hamburg
Schirmherr: Christian Thielemann
Die Klais-Orgel
Die heutige Orgel hat die Bonner Orgelbaufirma Klais bis 1978 errichtet. Beim Umbau der Kathedrale 2018–2024 wurde das Instrument technisch ertüchtigt, behutsam erweitert und der Prospekt erneuert. Die Wiedereinweihung war im April 2025.
Neun herausragende Organistinnen und Organisten aus ganz Europa werden beim Orgelfestival die Sinfornien Bruckners zum Klingen bringen. Bereits 2024 und 2025 konnten sie den kompletten Zyklus dreimal in Süddeutschland, in Rheinland-Pfalz und in Luxemburg mit großem Erfolg aufführen.

Die französisch-koreanische Konzertorganistin Sarah Kim studierte in Sydney bei Philip Swanton, in Paris bei Olivier Latry und Michel Bouvard sowie in Basel bei Wolfgang Zerer und Lorenzo Ghielmi.
Seit ihren Erfolgen bei bedeutenden internationalenen Orgelwettbewerben zählt Kim zu den führenden jungen Nachwuchsorganistinnen. Sie ist als Konzertorganistin und an der Kirche L’Oratoire du Louvre in Paris tätig.
Sarah Kim spielt das Eröffnungskonzert am 4.9. sowie am 13.9.2026 die 2. Sinfonie in St. Marien.

studierte Klavier und Orgel in Brescia, Lugano und Zürich. Als Konzertorganist tritt er regelmäßig bei bedeutenden Festivals auf. 2022 gründete Pedrazzini in Locarno das Luceat Ensemble mit Chor und Orchester, dessen Leiter er auch ist. 2023 nahm er Orgelwerke von C. Franck, Widor und Duruflé auf und machte Einspielungen der Orgelwerke Max Regers auf deutschromantischen Orgeln. Er ist Titularorganist an Brione s. Minusio.
Pedrazzini spielt am 27.9.2026 in der Auenkirche die Sinfonie Nr. 1 in c-Moll.

Am 3.10.2026 ist er mit Bruckners 3. Sinfonie in der Auenkirche zu hören.
studierte Orgel und Cembalo in Genf und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er spielt regelmäßig Orgelkonzerte in vielen europäischen Ländern und trit dabei an renommierten Konzertreihen auf. Einer seiner Schwerpunkte sind Orgelwerke der Romantik und sinfonische Orgeltranskriptionen.
Alessandro Urbano unterrichtet Orgel und Generalbass am Konservatorium der Stadt
Luxemburg und ist Titularorganist in St. Martin Dudelange.

erhielt früh zahlreiche Auszeichnungen bei internationalen Musikwettbewerben, die es der in der Slowakei geborenen Orgelvirtuosin bereits während der Studienzeit ermöglichten, Konzerte an renommierten Konzertreihen in ganz Europa zu geben. Seither begeistert sie das Publikum mit ihren Interpretationen von Orgelmusik sämtlicher Epochen. Bernadetta Šuňavská hat Klavier, Orgel, Cembalo und historische Tasteninstrumente in Bratislava, Freiburg und Stuttgart studiert. Besondere Aufmerksamkeit gebührt ihren eigenen Transkriptionen großer Orchesterwerke (Wagner, Liszt, Strawinskij, Janáček, Bruckner, Mussorgskij). Bernadetta Šuňavská ist regelmäßiger Gast bei internationalen Musik-Festivals. Sie lebt und unterrichtet nahe München.
Šuňavská spielt am 10.10.2026 in St. Matthias die Sinfonie Nr. 4 in Es-Dur.

wurde 1983 in Frankreich geboren und, studierte in Paris, wo er die ersten Preise im Orgelspiel, in Harmonielehre, Kontrapunkt, Fuge, Kammermusik und Orchestration in den Meisterklassen erhielt und mit Auszeichnung abschloss. Er tritt regelmäßig international als Organist und Pianist auf und arbeitet mit renommierten Orchestern und Chören zusammen. Mathias Lecomte ist Professor für Klavierbegleitung am Konservatorium in Namur in Belgien.
Er spielt Bruckners 5. Sinfonie am 19.9.2026 in der Auenkirche.

erhielt als Student am Pariser Conservatoire in der Orgelklasse von Olivier Latry und Michel Bouvard den Orgelpreis mit Bestnote und Auszeichnung. Weitere Studien führten ihn zu Bernhard Haas an die Musikhochschule Stuttgart. Jean-Baptiste Monnot ist Titularorganist an der weltberühmten Cavaillé-Coll-Orgel der Abteikirche St. Ouen in Rouen.
Er spielt am 4.10.2026 in St. Marien die Sinfonie Nr. 6 in A-Dur.

ist seit 1993 Dekanatskantor für das Bistum Speyer und für die Kirchenmusik der beiden St. Ingberter Pfarreien St. Hildegard und St. Josef verantwortlich. Daneben hat Christian von Blohn einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik Saar inne. Eine rege Konzerttätigkeit führt ihn durch ganz Europa, hinzu kommen zahlreiche CD-, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen.
Am 5.9.2026 ist Christian von Blohn mit Bruckners 7. Sinfonie in der Pfarrkirche St. Matthias zu hören.

zählt zu den wenigen Künstlern, die international als Dirigent und
Konzertorganist regelmäßig präsent sind. Mit seinen Orgeltranskriptionen etablierte er sich als Spezialist unter den Virtuosen seines Instruments. Albrecht leitete in der Nachfolge Karl Richters von 2005 bis 2023 den Münchner Bach-Chor und das Münchner Bach-Orchester. Aktuell ist er mit der künstlerischen Leitung des CPE-Bach-Chores Hamburg betraut und leitet die Internationale CPEB-Akademie. Als Dirigent und Organist legte er bisher über 30 CDs vor und wurde für den Grammy-Award nominiert. Anlässlich Bruckners 200. Geburtstages realisierte er die erste Gesamteinspielung seiner elf Sinfonien als Orgeltranskriptionen.
Albrecht spielt am 4.9. in St. Marien die Studien-, am 12.9. in St. Matthias die 8. Sinfonie und die "Bruckner-Fenster" am 23.9.2026 in St. Hedwig.

Der deutsch-schweizerische Organist schloss seine Studien an der Musikakademie Basel in der Orgelklasse von Guy Bovet mit dem Solistendiplom mit Auszeichnung ab. 1994 bis 2005 war er Titularorganist an der Kathedrale St. Pierre in Genf. Mit eigenen Kompositionen und CD-Einspielungen in vielen Stilen und Genres erreicht er ein vielfältiges Publikum. Regelmäßig ist Muster an Konzerten und Festivals in ganz Europa zu Gast. Thilo Muster ist künstlerischer Co-Leiter des Orgelfestivals im Stadtcasino Basel.
Am 3.10.2026 ist er mit Bruckners 9. Sinfonie in der Auenkirche zu hören.

Der Organist, Komponist, Musikwissenschaftler und Pädagoge lebt in Stuttgart und konnte 2023 das epochale Editionsprojekt der Bearbeitung aller Bruckner-Symphonien für Orgel abschließen und im Merseburger-Verlag veröffentlichen. Seitdem gab es mehrere Gesamtaufführungen des kompletten Zyklus an bedeutenden Orgel in ganz Europa.

Anton Bruckner wurde 1824 in Ansfelden in Oberösterreich als ältestes von zwölf Kindern geboren. Seine Kindheit war durch einfache, ländliche Verhältnisse geprägt. Der Vater war Lehrer in Ansfelden und versah dort auch den Orgeldienst; seine Mutter vertrat trotz der bescheidenen Verhältnisse hohe kulturelle Werte. Nach dem Tod des Vaters wurde Bruckner 1837 als Sängerknabe im nahe gelegenen Stift Sankt Florian aufgenommen, wo er später auch den Orgeldienst versah. 1855 wurde Bruckner mit 31 Jahren zum Domorganisten in Linz gewählt, und ab 1860 war er in Linz auch als Chorleiter tätig. Bruckner studierte Musiktheorie und Kontrapunkt bei Simon Sechter in Wien und Orchestration bei Otto Kitzler in Linz; seine Prüfungen legte er dabei immer mit Auszeichnungen ab.

Anton Bruckner besuchte mehrmals die Festspiele in Bayreuth und lernte 1865 bei einer Aufführung des Tristan in München Richard Wagner, den er zutiefst bewunderte und dem er auch seine 3. Sinfonie widmete, persönlich kennen. Durch die Begegnung mit Wagners Musik stellte Bruckner sein gesamtes früheres kompositorisches Denken in Frage und gelangte dadurch zunehmend zu seinem eigenen, neuartig-gewagten sinfonischen Stil.
Im Jahr 1868 übersiedelte Bruckner von Linz nach Wien, denn er wurde zum Professor für Generalbass, Kontrapunkt und Orgel am Wiener Konservatorium und später auch zum Hoforganisten ernannt. Von 1875 bis 1891 lehrte er an der Universität Wien Kontrapunkt und Harmonielehre. Im Jahr 1891 erhielt Bruckner von dort auch die Ehrendoktorwürde.
Besonders als Orgelimprovisator wurde Bruckner zu Lebzeiten hoch geschätzt, wobei er mit Vorliebe über Themen aus seinen eigenen Sinfonien improvisierte. Konzertreisen führten ihn 1869 als Orgelvirtuose nach Nancy und Paris, wo sein Spiel in der Kathedrale Notre-Dame von Auber, Saint-Saёns, C. Franck und Gounod bewundert wurde. 1871 reiste er für Orgelkonzerte nach London und improvisierte in der Royal Albert Hall und im damals architektonisch neuen Kristallpalast mit enormem Erfolg. Als Sinfoniker wurde Bruckner allerdings lange verkannt. Erst die Uraufführung seiner 7. Sinfonie im Dezember 1884 im Neuen Theater in Leipzig, unter dem jungen Dirigenten Arthur Nikisch, brachte den entscheidenden Durchbruch.
Bruckner blieb zeitlebens tief dem katholischen Glauben zugewandt, was sich auch in zahlreichen geistlichen Werken, wie Orchestermessen und seinem Te Deum, niederschlägt. Sein Schaffen und Leben war aber auch von Krisen und Selbstzweifeln geprägt, die zu zahlreichen Überarbeitungen seiner Sinfonien führten. Zu seiner Zeit gehörte er als Komponist zur Spitze der Avantgarde und geht, etwa in seiner unvollendeten 9. Sinfonie, harmonisch noch weit über Wagner und die Spätromantik hinaus in die Klangwelt des 20. Jahrhunderts hinein. Bruckner verstarb 1896 in Wien in seiner kleinen Wohnung, die ihm Kaiser Franz Joseph I. kostenlos, zusammen mit einer kleinen Rente, zur Verfügung stellte. Aufgebahrt wurden Bruckners sterbliche Überreste nach seinem eigenen Wunsch unter der großen Orgel der Stiftskirche in St. Florian, die auch Brucknerorgel genannt wird.

Seine Sinfonien zählen zu den Gipfelpunkten der sinfonischen Musik; sie werden unsterblich im kulturellen Bewusstsein der Menschheit verankert bleiben.
Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei. Am Ausgang bitten wir um eine angemessene Spende zur Deckung der Kosten. Vielen Dank.
Unser Dank gilt ebenso allen Institutionen und Personen, die am Zustandekommen dieser Konzertreihe beteiligt sind, insbesondere der Evangelischen Auenkirche Berlin, der Katholischen Pfarrei St. Matthias Schöneberg und der Pfarrei St. Helena mit ihrer St.-Marien-Kirche sowie dem Merseburger Musikverlag, Kassel, dem Eichelberg Musikverlag, Stuttgart und dem Kulturverein Ost e.V., Stuttgart.





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